FAQs: Orientierungshilfen für die Versorgung

Die DGPPN erreichen derzeit zahlreiche Anfragen von Fachärzten, Psychotherapeuten und Angehörigen anderer Gesundheitsberufe mit konkreten Anliegen zur Versorgungspraxis während der Corona-Pandemie. Antworten auf häufige Fragen können hier nachgelesen werden. Zudem besteht die Möglichkeit, über ein Kontaktformular eigene Fragen an die DGPPN-Experten zu richten.

Ambulante gutachterliche Tätigkeit

Dürfen ambulante Begutachtungen durchgeführt werden? 

Dies muss von Fall zu Fall entschieden werden. Es gilt Folgendes zu klären:  

  • Traten in den letzten zwei Wochen Fieber und Husten auf?   
  • Hatte die zu begutachtende Person Kontakt zu COVID-19-Infizierten? 

Die Maßnahmen des Eigenschutzes bei der Untersuchung wären wie in allen medizinischen Kontakten danach abzustellen oder die Begutachtung nicht durchzuführen, da möglicherweise nicht lebensnotwendig. Eine Orientierungshilfe für Ärzte im Verdachtsfall bietet das Robert Koch-Institut.  

Schutzausrüstung

Wie komme ich in der ambulanten Versorgung an die persönliche Schutzausrüstung? 

Die Auslieferung von medizinischer Schutzausrüstung an die jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) hat am 20. März begonnen. Die Materialien für die ambulante medizinische Versorgung werden in den meisten Bundesländern von einem privaten Logistikunternehmen direkt an die KVen geliefert, die diese dann vor Ort an Praxen verteilen. Die Praxen müssen sich dazu nicht vorab an ihre KV wenden.  

Ausnahmen: In Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Schleswig-Holstein und Sachsen hat die jeweilige Landesregierung entschieden, dass die Länder die Anlieferung und Verteilung der Materialien zentral übernehmen. In diesen Bundesländern erfolgt die Verteilung nicht über die Kassenärztlichen Vereinigungen.

Abrechnung von telefonischen Konsultationen

Wie können telefonische Konsultationen in der ambulanten Versorgung abgerechnet werden? 

Seit dem 03.04.2020 gelten neue Regeln für die Abrechnung telefonischer Konsultationen  für die folgenden Fachgruppen: 

  • Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten 
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten 
  • Fachärzte für Neurologie 
  • Fachärzte für Nervenheilkunde 
  • Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie 
  • Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie 
  • Fachärzte für Neurochirurgie 
  • Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 
  • Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie 

Als neue Leistung kann die GOP 01433 (154 Punkte/16,92 Euro) als Zuschlag zur GOP 01435 (88 Punkte/9,67 Euro) für die telefonische Beratung durch den Arzt/Psychotherapeuten oder zur Grundpauschale abgerechnet werden. 

Im Detail gilt: 

Häufigkeit

  • Die GOP 01433 kann bis zu 20-mal im Arztfall für ein telefonisches Gespräch von mindestens 10 Minuten Dauer aufgrund einer Erkrankung mit dem Patienten oder einer Bezugsperson abgerechnet werden. 

Gesprächsdauer

  • Psychotherapeuten sowie Ärzte der aufgeführten Fachgruppen können einen Patienten bis zu 3 Stunden und 20 Minuten im Quartal per Telefon betreuen. 

Gesprächskontingent

  • Pro Patient werden maximal 20 Gespräche (200 Minuten) vergütet. Diese 20 Gespräche können ausschließlich per Telefon oder gemischt per Telefon, persönlich in der Praxis oder in einer Videosprechstunde geführt werden. 

Vergütung

  • Die Vergütung für Telefonkonsultationen beläuft sich damit auf bis zu 338,40 Euro pro Patient im Quartal,
  • zuzüglich GOP 01435 bei ausschließlicher telefonischer Beratung im Arztfall: 9,67 Euro, einmal im Behandlungsfall = 9,67 Euro (bei Kindern unter 12 Jahren 2-mal im Behandlungsfall) oder 
  • die Grundpauschale (bei persönlichem Kontakt und/oder Videosprechstunde im Arztfall) 

Grundpauschale

  • Die telefonische Beratung ist normalerweise Teil der Grundpauschale. Wegen des hohen Bedarfs an Gesprächsleistungen infolge der Corona-Krise gerade in den N-/P-Fächern wird die GOP 01433 auch vergütet, wenn der Patient zur Untersuchung und/oder Behandlung in die Praxis kommt oder eine Videosprechstunde erfolgt und somit die Grundpauschale abgerechnet wird.

Wie können telefonische Konsultationen in Psychiatrischen Institutsambulanzen abgerechnet werden?

Der GKV-SV hat Verfahrensvorschläge für die Verhandlungen in den Ländern mit den Kassen getroffen: Patientenkontakte können bei Einwilligung der Patienten ersatzweise auch mittels Kommunikationsmedium realisiert werden. Diese Kontakte sollen vorrangig per Videosprechstunde durchgeführt werden. In Ausnahmefällen sind auch niedrigschwellige Interventionen per Telefon möglich. Die Vertragspartner auf Landesebene können entsprechende Vereinbarungen schließen, welche auch Festlegungen zur Vergütungshöhe umfassen. Diese Verfahrensvorschläge gelten für Behandlungen bis einschließlich 30.06.2020.

Abrechnung von Videosprechstunden

Wie können Videosprechstunden in der ambulanten Versorgung abgerechnet werden? 

Ärzte können die Videosprechstunde grundsätzlich flexibel in allen Fällen nutzen, in denen sie es für therapeutisch sinnvoll halten. 

Psychotherapeuten dürfen während der Corona-Krise neben Einzeltherapiesitzungen auch Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorischen Sitzungen (auch neuropsychologische Therapie) per Video durchführen. Eine Psychotherapie kann somit auch ohne persönlichen Kontakt zwischen Patient und Therapeut beginnen. Dies sollte besonderen Einzelfällen vorbehalten bleiben. 

Hinweise zur Abrechnung: Für diese Sonderregelung wurde der EBM so angepasst, dass die entsprechenden Gebührenordnungspositionen auch abgerechnet werden dürfen, wenn die Leistungen in einer Videosprechstunde durchgeführt wurden. Dies gilt vorerst bis zum 30.06.2020. 

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Gruppentherapien

Können Gruppentherapien in Einzelpsychotherapien umgewandelt werden? 

Genehmigte Leistungen einer Gruppenpsychotherapie können übergangsweise in Einzelpsychotherapie umgewandelt werden, ohne dass hierfür eine gesonderte Antragstellung bei der Krankenkasse oder Begutachtung erfolgen muss. Die Umwandlung erfolgt über die „Therapieeinheit“ und muss lediglich formlos der Krankenkasse mitgeteilt werden. Für je eine Therapieeinheit genehmigte Gruppentherapie (entspricht einer Sitzung mit 100 Minuten) kann bei Bedarf maximal je Patient der Gruppe eine Einzeltherapie (entspricht einer Sitzung mit 50 Minuten) durchgeführt und abgerechnet werden. Gilt bis: 30.06.2020 

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