25.06.2020 | Erklärung

Erklärung gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung

Die DGPPN setzt sich aktiv für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen und gegen deren Stigmatisierung ein. Sie ist der Achtung der Würde und des Selbstbestimmungsrechts der betroffenen Menschen verpflichtet und begegnet ihnen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder sozialer Herkunft. Vor dem Hintergrund der Psychiatriegeschichte bekennt sie sich zu den Prinzipien der Vielfalt, der Integration und der Inklusion.

Die DGPPN betont, dass Rassismus und Diskriminierung erhebliche, negative Auswirkungen auf die Lebenschancen und die psychische Gesundheit der Betroffenen, insbesondere mit Bezug auf die Entstehung affektiver und psychotischer Störungen und Substanzgebrauchsstörungen, haben.

Dabei ist der Begriff der Rasse aus heutiger wissenschaftlicher Sicht falsch, da er kategoriale Unterschiede postuliert, wo es nur gleitende Übergänge gibt. Dennoch werden diese falschen kategorialen Klassifikationen dazu gebraucht, Menschen zu diskriminieren und von Teilen der gesellschaftlichen Teilhabe auszuschließen.

Rassistische Konstruktionen haben in der Psychiatriegeschichte eine unheilvolle Rolle gespielt und die DGPPN bekennt sich zu ihrer Verantwortung, diese Traditionen kritisch aufzuarbeiten und aktiv gegen alle Formen rassistischer Diskriminierung und Ausschließung einzutreten. Diese Aktivitäten begleiten und ergänzen die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Psychiatrie in Kolonialismus und Nationalsozialismus, der Verantwortung für die Massenmorde an psychisch Kranken und für wissenschaftlichen Antisemitismus und Antiziganismus.

Aus diesem Grund hat die DGPPN bereits vor Jahren das Fachreferat „Interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie, Migration“ gegründet. Zusammen mit dem Referat und einer Arbeitsgruppe von Expertinnen und Experten mit Bezug zu den am stärksten betroffenen Communities setzt sich die DGPPN aktuell intensiv mit den Auswirkungen von Rassismus und Diskriminierung auf die psychische Gesundheit und der Rolle des Rassismus in der Geschichte der Psychiatrie auseinander und erarbeitet einen thematischen Schwerpunkt für den diesjährigen DGPPN Kongress.

Darüber hinaus wird die DGPPN verstärkt dafür eintreten, dass Rassismus und Diskriminierung im Rahmen von Medizinstudium, Fort- und Weiterbildung, Behandlungsleitlinien, Versorgung und Forschung thematisiert und dadurch im Gesundheitswesen abgebaut wird.

Die DGPPN ruft die Regierung, den Bundestag und die Selbstverwaltung auf, diese Ziele zu unterstützen, indem Maßnahmen ergriffen werden, um

  • den Zugang zur Gesundheitsversorgung diskriminierungsfrei zu garantieren,
  • Forschung zu Rassismus, Diskriminierung und (psychische) Gesundheit zu intensivieren,
  • Prävention und Aufklärung im Gesundheitswesen zu stärken,
  • von Rassismus betroffene Menschen als besonders vulnerable Gruppe anzuerkennen
  • ein Monitoring- und Berichtssystem einzuführen, welches auch die psychische Gesundheit als Faktor enthält.

Literatur

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